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OMIMAI GmbH @FashionTEX Festival Diskussionspanel

06. & 07.11.2025, Chemnitz – Deutschland

https://www.youtube.com/watch?v=L0qxi41YWXY&list=TLGGGvH6ebKcYucxMjAxMjAyNg

Chemnitz, Europäische Kulturhauptstadt 2025 und einst als „Manchester Deutschlands“ bekannt, bot den idealen Rahmen für das erste FashionTEX Festival. In einer Stadt, die tief in der europäischen Textil- und Maschinenbaugeschichte verwurzelt ist, traf industrielle Vergangenheit auf die digitale Zukunft der Mode. In der ehemaligen Tüllfabrik „die fabrik“ Chemnitz verschmolzen historische Architektur, KI, 3D-Design, virtuelle Prototypen und smarte Materialien zu neuen Formen kreativer Gestaltung.

Im Zentrum des Festivals standen 24 Studierende aus 11 europäischen Partnerhochschulen des FashionTEX-Projekts. In intensiven Arbeitswochen entwickelten sie hybride Kollektionen, in denen digitale Silhouetten und reale Stoffe eine gemeinsame Runway-Erfahrung bildeten. FashionTEX setzte damit ein starkes Zeichen: Chemnitz positioniert sich als Labor für digitale, nachhaltige Mode und kulturellen Wandel – dort, wo Tradition und Zukunft produktiv aufeinandertreffen.

Diskussionspanel: „Smart Textiles: Wenn Algorithmen Stoffe lesen lernen“

Im Rahmen der Veranstaltung zum Thema Smart Textiles diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Forschung beim Roundtable „Wenn Algorithmen Stoffe lesen lernen“ über den aktuellen Stand der Digitalisierung in der Textilproduktion. Mit dabei war auch die OMIMAI GmbH, vertreten durch Saman Khodabandeh, die ihre Perspektive aus der KI-gestützten Datenanalyse einbrachte. Ergänzt wurde das Panel durch Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung (Dr.-Ing. Thomas Fischer), das Sächsisches Textilforschungsinstitut (Dr. Steffen Seeger) sowie die Technische Universität Chemnitz (Larisa Markov).

Im Mittelpunkt der Diskussion stand eine zentrale Frage: Wie digital ist die Textilproduktion wirklich – und wo klaffen Anspruch und Realität auseinander? Schnell wurde deutlich, dass viele Produktionsstätten zwar über moderne Maschinen verfügen und große Mengen an Prozessdaten erfassen, diese Daten jedoch häufig ungenutzt bleiben. Der Unterschied zwischen reiner Datenerfassung und echter Datennutzung wurde von allen Panelteilnehmenden als einer der größten Brüche in der aktuellen Praxis benannt.

Ein wiederkehrendes Thema war das Fehlen durchgängiger Schnittstellen. Historisch gewachsene Maschinenparks lassen sich nur schwer in moderne Daten- und KI-Architekturen einbinden, was Innovationen verlangsamt. Maschinen, Softwarelösungen und menschliche Expertise existieren oft nebeneinander, ohne ausreichend miteinander verknüpft zu sein. Einigkeit herrschte darüber, dass viele Produktionsbetriebe zwar große Mengen an Daten erfassen, diese jedoch nur selten systematisch nutzen. Der Unterschied zwischen Datensammlung und datengetriebener Entscheidungsfindung wurde als zentrales Hemmnis identifiziert. Hinzu kommen fehlende oder inkompatible Schnittstellen zwischen Maschinen, Softwarelösungen und den Menschen, die mit ihnen arbeiten. Gerade in bestehenden Produktionslinien ist die Integration moderner KI-Systeme oft komplex und kostenintensiv.

Aus Sicht von OMIMAI liegt hier großes ungenutztes Potenzial. Saman Khodabandeh machte deutlich, dass Künstliche Intelligenz in der Textilindustrie weniger an der Reife der Algorithmen scheitert als an der mangelnden Vernetzung und Qualität der Daten. Werden Produktions- und Materialdaten jedoch sinnvoll zusammengeführt, eröffnen sich neue Möglichkeiten: von intelligenter Maßfertigung über vorausschauende Qualitätskontrolle bis hin zu energieeffizienteren Prozessen.

Auch die Bedeutung von Standardisierung und Interoperabilität wurde intensiv diskutiert. Einheitliche Datenformate und offene Systeme seien Voraussetzung dafür, dass Forschungsergebnisse schneller in die industrielle Praxis überführt werden können. Die Rolle von Hochschulen als Brücke zwischen experimenteller Entwicklung und industrieller Anwendung wurde betont. 

Der Roundtable machte deutlich: Die Textilproduktion ist digitaler geworden, als es auf den ersten Blick scheint – aber noch lange nicht so vernetzt, wie es für den flächendeckenden Einsatz von KI nötig wäre. Die Zukunft smarter Textilien entsteht dort, wo Forschung, Industrie und Technologieanbieter wie OMIMAI gemeinsam an praktikablen Lösungen arbeiten – nicht als Vision, sondern als konkreter Schritt in Richtung einer datengetriebenen, nachhaltigen Textilproduktion.